-------- Original-Nachricht --------

Betreff:

Re: Wieder mal ein Skandal in der Z üchterszene

Datum:

Thu, 13 Jul 2006 12:15:18 +0100

Von:

ceiberweiber <redaktion@ceiberweiber.at>

An:

<Zuechterszene@gmx.net>



Lieber Werner, 

ich hätte zweierlei für deine Seite:

1)  Bilder zum Thema "wie BKH-Katzen nicht aussehen" plus Erläuterungen:

"Blume", eigentlich Femme Fleur du Xxx xx Xxxxxx, geboren 2000 in Österreich, wurde von einem Ehepaar
erworben, das Chartreux-Katzen züchten wollte. Die vom Royal Cat Club ausgestellten Papiere wiesen "Blume"
als Chartreux mit Chartreux-Eltern aus. Umso grösser dann die Enttäuschung, als sich herausstellte, dass
Blumes Vater Ampere Blue of Tammany zwar ein Chartreux-Kater ist und der Vater von Blumes Mutter Aurore vom
Panoramaweg ebenfalls, die mütterliche Grossmutter Toccata von Muspilli jedoch eine Scottish Fold ist.

Somit ist Blumes Mutter eigentlich eine Scottish Straight und Blume selbst
ebenfalls - wäre es erlaubt, Chartreux in Scottish Fold einzukreuzen.
Derlei Kreuzungen findet man zwar in holländischen oder französischen 
Stammbäumen, hiesige Zuchtverbände lehnen dies jedoch ab. Obwohl die
Scottish Fold im wesentlichen eine British oder American Shorthair ist
mit ein oder mehreren Linien, die auf die 1. Fold-Katze Susie zurückgehen,
gelten solche Katzen, wenn sie gerade Ohren haben, nicht als BKH oder ASH.

Genauso wenig kann eine Katze mit geraden Ohren als Chartreux bezeichnet
werden, da die Chartreux zwar mit BKH gekreuzt werden darf, nicht aber mit
Scottish Fold. Umgekehrt befinden sich in Stammbäumen von Briten, insbes.
aus Holland und Skandinavien, auch Chartreux-Katzen, die meist als Briten
bezeichnet werden.


Blume hat demnach weder Britentyp noch reinen Chartreux-Typ: für Briten ist sie
 zu gross, zu wenig "pummelig" und ihr Gesicht ist zu wenig rund. Als Chartreux
 geht sie nicht durch, da ihre Gesicht dann "trapezförmiger" sein müßte und der
 Farbton einheitlicher - ihr Schwanz ist dunkler als das restliche Fell. Ihre
 Augen sind grünlichgelb, was auch ein Fehler ist, den sie jedoch von ihrem
 Chartreux-Vater geerbt hat, der wiederum auf Russisch Blaue Katzen - die für
 grüne Augen bekannt sind -, die in die Chartreux eingekreuzt wurden; übrigens
 auch in der skandinavischen Variante Siam  x blaue Hauskatze.





Über Blumes Vater habe ich die Schilderung einer Schweizerin, die Nachkommen von
 ihm hat und ihn besuchte; über Blumes Mutter weiss ich nur, dass sie eher gross
und scheu ist. Dies haben mir Besitzer von Blumes jüngerer Vollschwester Neige D'Or erzählt, die mit dieser
Katze züchten wollten, aber ihr Wunder erlebten, als ein Verband den Stammbaum inspizierte. Blumes Züchterin
hat auch Pyrenäen-Berghunde, die im Web beworben werden; die Katzen sind nicht einmal erwähnt, nur auf einem
Bild zu sehen. Blumes Mama hat nicht einmal einen Kratzbaum zur Verfügung; die Katzen laufen so nebenher in
einem Gewusel von Kindern und Hunden. Dies scheint Blumes Schwester mehr geschadet zu haben als Blume
 selbst, da Neige D'Or als ängstlich mit langer Eingewöhnungszeit im neuen Zuhause geschildert wurde.


Blumes Stammbaumprobleme waren für mich ein Glück, da ich sie von ihren Käufern
bekommen konnte, als sie ein Jahr alt und kastriert war. Sie züchten mittlerweile
erfolgreich mit "echten Chartreux" und suchen die Stammbäume von Zuchtkatzen und
Katern penibel aus. Immerhin ist Blume eine Katze, die immer sehr gesund war und
ein liebenswertes, originelles Wesen hat. Vielfach nehmen sorglos gezüchtete
Katzen jedoch an Leib und Seele Schaden....

2) Zu den Vermehrern:

Mich erinnern die Rechtfertigungen und Ausflüchte von Vermehrern, die ihre Tiere
unter jämmerlichen Bedingungen halten, oft an "True Crime" – Stories, in denen
Mütter ihre Kinder vernachlässigen, verletzen, töten. Diese Frauen beteuern, 
ähnlich wie die Frauen, die Tiere misshandeln und vernachlässigen, dass sie ja
alles für ihre Kinder täten und erzählen, wieviel "Spass" sie doch zusammen 
hätten, sie erfinden Liebesbeweise der Kinder, die sich in Wahrheit dauernd 
fürchteten und nie wußten, was als Nächstes den Zorn der Mutter auslöst.

Wenn jemandem die Verhältnisse fragwürdig vorkommen, in denen besichtigte Katzen oder Hunde leben, dann sind
mit Sicherheit Beteuerungen zu hören, dass die Züchterin doch alles für ihre Tiere tut. Dies wird dann auch
süsslich "aus der Sicht der Tiere" geschildert, was die Alarmglocken schrillen lassen sollte. Denn wie die
misshandelten Kinder werden die Tiere nicht als Individuen mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen, sondern als
Erweiterung des eigenen Selbst. Als Objekte, die nützlich sind, solange man mit ihnen was beweisen will oder
sie süss und herzig findet - die aber sofort zu spüren bekommen, dass sie unerwünscht sind, wenn sie eigene
Bedürfnisse zeigen.

Wer zu seinen Tieren gut ist, hat Selbstlob und süsslichen Kitsch nicht nötig, da das Verhalten der Tiere,
auch die Sauberkeit der Umgebung für sich selbst spricht. Es ist auch ein Riesenunterschied, ob jemand auf
sachliche Fragen von Interessenten mit vagen, aber sehr emotionalen Aussagen reagiert oder erklärt, warum es
dieses und jenes im Züchterhaushalt gibt und wie dieses und jenes gehandhabt wird. "Finger weg"! muss gelten,
wenn jemand bei Fragen sofort in Verteidigungsstellung geht oder in erster Linie andere ausrichtet – diese
sind dann wirkliche Züchter, denen die Tiere am Herzen liegen. 

Liebe Grüße

Alexandra Bader